kaffeehaus-may-4.jpg

< Previous ( Picture 5/9 ) Next >

Architekt Abendroth - 2005_Kaffeehaus May
Business

Öffnungszeiten Grundrisse

Umbau Kaffeehaus May in Neufeld/Leitha

Architektur trifft Genuss - Genuss für alle Sinne

Das Kaffeehaus der Familie May steht an der stadtauswärts gewandten Seite der Hauptstraße mit ihrer losen Struktur von abwechselnd giebel- und traufseitig stehenden zweigeschoßigen Steildachhäusern.

Städtebaulich gesehen füllt der Baukörper des Zubaus eine Lücke und trägt zur Verdichtung des Ortsteils bei. Auf eine leichte und elegante Art lehnt er sich an den Bestand an, ohne diesen zu überbieten oder sich ihm unterzuordnen.

In der Höhenentwicklung bleibt der Anbau unter dem Bestand, behauptet sich aber durch das Vorspringen des Obergeschoßes vor die Gebäudeflucht des Altbaus. Die Verglasung im Erdgeschoß und der zurückspringende Eingangsbereich lässt den Zubau leicht erscheinen und bewahrt dem Altbau seine gestandene Art. Das Schaufensterband verbindet Bestand mit Zubau, der Gebäudeeinschnitt an der Nahtstelle im Obergeschoß markiert eine deutliche Trennung.

Das 80cm über den Gehsteig vorspringende Obergeschoß mit der Loggia der Fremdenzimmersuite erzeugt im Straßenraum gerade die nötige Präsenz, um auch im Vorbeifahren noch wahrgenommen zu werden. Das Metallfassadenband, das die Loggien miteinander verbindet, führt das Auge von der Straße in den Gastgarten. Der zurückspringende einladende Eingangsbereich verstärkt diesen Sog.

Die äußere schwebende Erscheinung basiert auf dem Verzicht von starken Kontrasten. Ein Beigeton setzt auf einem Sockel aus kaffeefarbenem indischem Kalkstein auf. Die grüne Farbe der Verglasung verdeutlicht die Trennung von Konstruktion und Hülle.

Wiener Kaffeehaustradition in zeitgemäßer Umsetzung

Der Innenraum ist in drei Bereiche gegliedert: der Verkaufsbereich mit Konditoreitheke, Ausschank und Stehtischen, der Kaffeehausbereich und das Extrazimmer für Seminare und Veranstaltungen. Eine abgesenkte Deckenspange verbindet alle drei.

Bei der Gestaltung des Innenraums wurde vom Vorbild des Kaffeehauses ausgegangen.
Der Kaffehaustypus verlangt die Abstinenz von kalten Farben. Spiegel erweitern den Raum und punktförmiges Licht in geschliffenem Glas verleihen Glanz und Festlichkeit. Patinafähige Materialien gestatten würdige Abnutzung und verleihen der Tradition Zukunft.

Einzig das Wandkunstwerk Hans Wetzelsdorfers darf mit dem Kaffeehauskonzept brechen. Für Kunst war das Kaffeehaus immer offen. Wohldosiert und unaufdringlich wird hier Kontrast und Lebendigkeit beigesteuert.

Ein Monolith aus Kunststoff als Basis für die Kaffeemaschine zelebriert den Stellenwert der Kaffeesiedertradition. Der blaugrüne Farbton hinter der Theke aus Nussholz soll die Frische der Konditoreiwaren transportieren. Die Ecksituation beherrscht ein beleuchtetes Glasobjekt aus gebogenem Glas, das an Kandiszucker erinnert (wir befinden uns ja in einer Konditorei).

Im Extrazimmer besteht die Möglichkeit Seminare und Veranstaltungen abzuhalten. Aber auch Kunst und Kultur sollen hier ihren Einfluss geltend machen. Ausstellungen und Lesungen sind geplant.

Die 4 Sterne Fremdenzimmer im Obergeschoß laden zu längerem Verweilen ein. Neufeld bietet zudem auch eine Menge touristischer Möglichkeiten. Das Kaffeehaus der Neufelder Traditionsbäckerei May bietet neben erstklassigen Konditoreierzeugnissen (Herrentorte!) auch feine Küche und edle Qualitätsweine.

Lassen Sie sich bei einem Einspänner oder einem großen Braunen nebst Zeitung in die Wiener Kaffeehaustradition entführen. Vernissagen und Lesungen im Designambiente mit dem markanten Kunstwerk Hans Wetzelsdorfers schaffen kulturelle Stimulanz.

Mitarbeit: D.I. Andreas Hradil, D.I. Peter Krabbe

Statik: D.I.Dr. Klaus Petraschka

Bauphysik: D.I.Dr.Gernot Scherpke

Lichttechnik: Jakob Uhl

Haustechnik: Zentraplan

Fotos: Rainer Zottele

 

Kaffeehaus und Kunst: Hans Wetzelsdorfer, Neufeld

Das Kaffeehaus hat in Österreich, besonders in Wien, eine ganz eigene und lange Tradition. Man geht nicht schnell einen Kaffee trinken wie anderswo, sondern man liest Zeitung, trifft Freunde oder hat geschäftliche Termine, das Kaffeehaus ist ein Ort der Kommunikation, um das sich zahlreiche Anekdoten ranken. So wird behauptet, dass Wien um 1900 fast ausschließlich im Kaffeehaus stattgefunden hat, dass Literaten und andere Künstler vorzugsweise im Kaffeehaus geschrieben haben.

Vieles hat sich geändert, auch in der Kaffeehauskultur. Aber trotz italienischem Espresso und amerikanischem Starbucks hat das Wiener Kaffeehaus seinen Siegeszug durch die Lande gezogen und eines der jüngsten Kaffeehäuser mit hohem Anspruch in vielerlei Hinsicht ist das Kaffehaus May in Neufeld im Burgenland.

Der Besitzer, Franz May, hat mit dem Architekten Thomas Abendroth und dem Künstler Hans Wetzelsdorfer für den Bau und die Innengestaltung zwei Persönlichkeiten eingeladen, die architektonisch und künstlerisch genau dieses Kaffeehaus geschaffen haben, das er wollte, das modern ist und gemütlich, das aber über das reichhaltige Angebot aus Backstube, Küche und Keller eine künstlerische Besonderheit bietet, weit über den üblichen Begriff von „Kunst am Bau" hinaus, indem der architektonische Raum von Thomas Abendroth durch das bildnerische Werk von Hans Wetzelsdorfer eine außergewöhnliche Symbiose bilden.

Hans Wetzelsdorfer ist Fotograf und auf die Frage, was für ihn die Fotografie bedeutet antwortet er, dass er sie als Arbeit sieht, genauso wie ein Maler oder Bildhauer. Es geht hier wie da darum kontinuierlich zu arbeiten, im Experiment neue Wege zu suchen, das Material zu erproben, Konfrontationen zuzulassen und neue Einsichten zu gewinnen. Dabei ist die Fotografie für ihn nicht nur ein künstlerisches Medium sondern auch sein bürgerlicher Beruf.
Die Themen, die ihn interessieren sind höchst unterschiedlich und kommen, wie bei anderen Künstlern auch, aus einem Wechselspiel von spontanem Einfall, weil plötzlich ein Thema auftaucht das ihn berührt, von Gedanken, denen er schon lange nachhängt oder aus konzeptuellen Überlegungen.

Im Kaffeehaus May ging es darum ein Konzept zu entwickeln, das einerseits dem hohen Anspruch, den Wetzelsdorfer an sich selbst als Künstler stellt, genügt, andererseits aber sollte das Kunstwerk nicht so dominant sein, dass sich die Besucher irritiert oder gar gestört fühlen.

Das Ergebnis seiner Überlegungen, die auch mit Franz May und Thomas Abendroth diskutiert und abgeklärt wurden, ist ein bemerkenswert homogenes und gleichzeitig höchst spannendes Bild, das seine technische Raffinesse nicht so leicht hergibt. Ist es doch von der Basis her Fotografie - und zwar Menschen im Kaffeehaus - so hat es in der vielschichtigen digitalen und malerischen Überarbeitung, auch in seiner ausgeklügelten Farbigkeit, schließlich zu einem beinahe geheimnisvollen Werk geführt, das seine fotografische Herkunft nicht verleugnet, das Technische nicht versteckt und dem Gesamteffekt den Vorzug gegeben hat, gilt es doch vor allem den Gästen das Gefühl von Harmonie und Gemütlichkeit zu vermitteln. Solches mit den Mitteln der modernen Kunst, mit der Abstrahierung des Gegenständlichen zu schaffen, ist nicht nur gelungen, sondern man kann sagen, dass das Gesamtergebnis von Architektur, Möblierung und Kunst zu einem Kaffeehaus geführt hat, das die Tradition bewahrt, aber die modernen Anforderungen berücksichtigt. Hans Wetzelsdorfer hat mit seinem bemerkenswerten Werk einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet.

Text: Prof. Angelica Bäumer, Kulturjournalistin und Autorin, Wien

Kunst: Hans Wetzelsdorfer

www.wetzelsdorfer.at

KAFFEEHAUS KONDITOREI UND FREMDENZIMMER
Franz Peter May
Hauptstraße 67
2491 Neufeld / Leitha
02624 522830

www.konditorei-may.at

Öffnungszeiten:
Mo bis Sa:
5.30 bis 20.00
So und Feiertag:
7.00 bis 10.00
15.00 bis 20.00

Business

May Coffee House

Coffee house and art

The coffee house has a long and very particular tradition in Austria, especially in Vienna. You don't go there to grab a quick coffee like anywhere else, but you go there to read the paper, meet friends or have business meetings. The coffee house is a communication space about which so many anecdotes have been told. It is believed that the Vienna of 1900's was almost exclusively formed in coffee houses, and all writers and other artists have picked coffee houses as the venues to create their masterpieces.

A lot has changed ever since, also in he coffee house culture. But despite the Italian espresso and the American Starbucks, the Viennese coffee has carried its triumphal march through the country. Coffee house May is one of the youngest and most promising coffee houses in Neufeld, Burgenland.

The owner, Franz May, trusted two personalities with the building and the interior design of his coffee house-architect Thomas Abendroth and artist Hans Wetzelsdorfer- for his particular architectonic and artistic wishes. The environment they created was exactly what he'd desired: a modern but cozy atmosphere, offering through a rich choice in cuisine, cellar and pastries an artistic specialty, way above the usual sense of art in construction, in which the architectonic space of Thomas Abendroth along with the picturesque art of Hans Wetzelsdorfer creates an outstanding symbiosis.

The outcome is a remarkably homogenous and at the same time exciting image, which doesn't lose its technical finesse easily. The art work is basically a photograph of people in a coffee house, which with layers of digital and artistic processing and ingenious coloring, has turned into an almost mysterious oeuvre which neither gives away it's photographic origin, nor hides it's technical qualities and offers the general effect of preference. It fills the guests with a sense of harmony and comfort. As such with the medium of modern art, abstraction and visualization, it's not only successful, but also, one may say, that the overall outcome of architecture, furnishing and art has created a coffee house that respects the tradition but also considers the modern needs. Hans Wetzelsdorfer has made this possible with his remarkable art work.

Text: Prof. Angelica Baeumer, Culture journalist and Author, Vienna

With collaboration of: D.I. Andreas Hradil, D.I. Peter Krabbe

Statics: D.I.Dr. Klaus Petarschka

Building Physics: D.I.Dr. Gernot Scherpke

Light technician: Jakob Uhl

Building Services: Zentraplan

Photos: Rainer Zottele