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Architekt Abendroth - 1999_Stiftgasse
Soziales

"Bauen für Geborgenheit" in der Mehrstufenklasse

Studie für eine heilpädagogische Inneneinrichtung in der VS Stiftgasse Wien, 1999

Ausgehend von der Annahme, die in Österreichs Schulen bewährte Einrichtungskultur für Volksschulen ist auch für das Modellvorhaben der Mehrstufenklasse die Richtige, wird man beim Betreten eines Klassenzimmers in einer Mehrstufenklasse nachdenklich. Was geschieht in einer Mehrstufenklasse? Bis zu 30 Kinder verschiedener Alters- und Entwicklungsstufen werden zur selben Zeit im selben Raum von 2 PädagogInnen unterstützt. Die Kinder verbringen viel Zeit mit freier Lernarbeit, sie werden dazu erzogen, sich ihre Lernarbeit, auch untereinander, möglichst selbständig zu organisieren.

Ein solcher Klassenraum dient der Freiarbeit, der Partnerarbeit, der Arbeit in der Kleingruppe und im großen Plenum, sowie dem frontalen Unterricht. Wie sehen die Rahmenbedingungen dazu aus? Ist diese Aufgabe durch 2 Lehrkräfte überhaupt leistbar? Und unter welchen räumlichen Bedingungen findet diese Unterrichtsform statt? Den Besucher einer Mehrstufenklasse mit normaler Volksschulinneneinrichtung erwartet ein optisches Chaos. Die Einrichtung funktioniert für diesen Schultyp nicht und muß von den PädagogInnen adaptiert werden. Durch Zurechtrücken der Möblierung wird versucht dem Raum Struktur zu verleihen, meistens ( vor Allem durch diagonale Anordnung von Tischen) entsteht noch mehr Unruhe als erwünscht war. Durch Bekleben von Kästen mit Hinweisen wird versucht die Lernmaterialien für die Kinder auffindbar zu machen. Die vorgefundenen nackten Wände werden durch Bastelarbeiten der Kinder dekoriert mit dem Ziel doch noch eine wohnliche Athmosphäre zu schaffen, die dem kindlichen Wesen entgegenkommt.

Es bedarf einer pädagogisch orientierten Inneneinrichtung, die nicht nach den Gesichtspunkten der Möbelindustrie für Serienfertigung, sondern nach den spezifischen Bedürfnissen von Kindern einer Mehrstufenklasse entwickelt wurde. Den LehrerInnen müssen die notwendigen Rahmenbedingungen (Struktur, Ruhe, Klarheit, Geborgenheit,...) zur Verfügung gestellt und den Kindern ein sicheres und geborgenes Bewegen im Bezugsumfeld Schulklasse geboten werden.

Die räumliche Umgebung trägt dazu bei, Voraussetzungen durch Vertrautheit, Geborgenheit und durch geordnete Anregungsvielfalt zu schaffen. Kleinräumigkeit und gegliederte Klassenräume lassen Arbeit mit Einzelnen, ihren Begabungen entsprechend, zu.

„Der Raum muß so gegliedert werden, dass jedes Kind sich bei allen Handlungen in seinem Nahumfeld sicher fühlen kann. Die Bereiche sollen deshalb klein und übersichtlich sein, den Eindruck von Geschlossenheit bieten und gewisse Regelungen der Nutzung implizieren. Materialien müssen geordnet und griffbereit sein. In Lernsälen, die zwar für den Lehrer übersichtlich sind, finden emotional verunsicherte Kinder keine räumlich-dingliche Antwort auf ihre Emotionen und ziehen sich deshalb eher in sich zurück oder agieren ungerichtet aggressiv." (aus dem Artikel „Räumliche Bedingungen für die Arbeit in der Schule zur Erziehungshilfe" von Dipl.Päd. Dittmar Geuthner, Gesamtleiter Evangelische Jugendheimstätte Puckenhof, BRD)

Partnerarchitekt: D.I.Roland Bayer

Public

Building for security and comfort in multistage classes

Study for the interior design of the Primary School in Stifftgasse, for curative education, Vienna, 1999

What happens in a multistage class?Up to 30 students in different ages and growth phases are supported by two teachers in the same class at the same time. The children pass the majority of their time on self education and are taught to organize their learning process together and independently as far as possible.

The pedagogically oriented interior design has to reflect the particular needs of the students of a multistage class and not the point of view of the mass producing furniture industry.

Teachers must be provided with the necessary spatial qualities (structure, tranquility, clarity, security and comfort,...) and children offered safe and comfortable surroundings in the classroom.

The spatial environment helps overcome challenges through trust, security, and an orderly yet stimulating arrangement. Small and structured classrooms allow for a successful work with individuals and their corresponding talents.

“the room has to be structured , such that a child may feel secure throughout all activities in his immediate environment. The spaces therefore need to be small and clear and convey a sense of cohesion and imply the regulations of use. Materials have to be tidy and handy. In study halls, which are however very manageable for the teachers, emotionally compromised children fail to find a spatial-material answer to their emotions and thus prefer to retreat or react aggressively.(from the article “spatial requirements for working with children in need of educational assistance” by Dip.Paed. Dittmar Geuthner, head of the Evangelic junior care facilities, Puckenhof, BRD)

Partner architect: D.I. Roland Bayer